Es wird Zeit etwas mehr von Thailand zu entdecken. Am 28. Oktober erreiche ich den Höhepunkt meiner allergischen Entzündung, die ich mir vermutlich auf meiner letzten Radtour durch den Wald zugezogen habe. Es nervt zwar, aber Zuhause sitzen ist keine Alternative. 

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Vorbereitungen

Die Entzündung ist nicht vollständig verheilt, aber ich mache mich spontan auf den Weg. Ziel unklar. Einfach nur Richtung Norden. Bei meiner letzten Radtour habe ich getestet, wie es sich mit dem Brompton im bepackten Zustand reisen lässt. Ich muss sagen, trotz der winzigen 16 Zoll Laufräder kommt man erstaunlich gut und flott voran.

1. Tag - Start in Pattaya

Es ist der 30.Oktober, früh Morgens, der Brompton Drahtesel ist beladen. Rund 9,5 kg befinden sich in der Tasche, neben den Klamotten habe ich mein Notebook, meine Kompaktkamera, zwei Powerbanks und meinen Bluetooth Lautsprecher dabei. Erstes Ziel ist Frühstücken gehen und ein 7/11 Markt um Wasser und Bananen zu bunkern.

Rund zehn Kilometer weiter, direkt am Map Phrachan Stausee, finde ich ein nettes kleines Restaurant, wo ich mich Stärke. Der Wirt spricht hervorragend Englisch und so kommen wir ins Gespräch. Er kommt aus Lopburi und zeigt mir dutzende Fotos seiner Heimat. Ja, die Thais sind ein sehr geselliges Völkchen, ich habe sie einfach nur gern. Zwei Stunden vergehen, bis ich mich dann auch mal endlich auf den eigentlichen Weg mache. Ich steuer die Khao Kheow Berge bei Siracha an. Die Route habe ich zuvor mit Komoot erstellt und ich nutze mein Handy als Navigationsgerät. Bisher ist die Streckenführung echt gut. Es geht entlang auf kleinen Nebenstraßen und gut befahrbaren Feldwegen. Überall winken einem die Leute zu, es macht echt Spaß.

Die Mittagssonne brennt heiß vom Himmel. Dennoch macht mir die Tour großen Spaß, aber ich brauche viel Wasser. Jede Stunde kaufe ich eine 1,5 Liter Flasche Wasser und lasse auch fast keinen Laden in dem es Eiscreme oder grünen Milchtee gibt aus. Hier und da tauchen immer wieder goldglänzende Tempel mit ihren Wächtern, den Riesen (Yak) der Ramakien Mythologie auf – wundervoll. Auch die lasse ich nicht aus.

Bei Siracha fahre ich an dem riesigen Ban Bang Phra See noch vorbei und richte mich allmählich darauf ein, eine Unterkunft für die Nacht zu finden. In der glühenden Nachmittagssonne taucht ein chinesicher Tempel auf, noch schnell ein Foto und ab zum Hotel. Die erste Etappe beende ich nach rund 67 km in Bang Saen, nördlich von Siracha. Ich checke ein, dusche noch schnell und sitze auch schon wieder auf dem Rad um mir ein Abendessen zu organisieren. Danach zurück zum Hotel, es ist miitlerweile dunkel – gute Nacht.

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2. Tag - Bang Saen nach Bangkok

Sieben Uhr, ich habe wie ein Stein geschlafen. Nach morgendlicher Dusche, bin ich gegen 9 Uhr abfahrbereit. Die heutige Etappe sollte mich bis an den Stadtrand von Bangkok bringen. Doch das ist noch ein langer Weg bis dahin. Erstmal Frühstück suchen. Komoot navigiert mich zur Ortschaft Samet. Es geht Kreuz und Quer durch Wohngebiete und gelegentlich schießen Hunde wie von der Tarantel gestochen aus den Höfen. Insgesamt ist das Thema freilaufende Hunde in Thailand so eine Sache. Die Meisten sind ganz lieb und lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, aber so manch einer wirkt, als ob er Tollwut hat.

Mein Frühstück nehme ich mit und lege meine erste Pause in einem Innenhof eines schönen Tempels ein. Ich werde von ein paar alten Mönchen entdeckt, die sich mächtig darüber freuen, das ein westlicher Tourist, ihren bescheidenen Tempel besucht. Danach führt mich der Weg in die Provinzhauptstadt Chon Buri. Die Landschaft ist eher wenig Reizvoll. In Chon Buri durchquere ich unendlich große Industriegebiete, vorallem der Automotive Branche. Auf der Suche nach einer Rastmöglichkeit komme ich am U Tapao Tempel bei Amata City an.

Weiter geht es in Richtung Norden. Die Landschaft wird flacher und eintöniger. Immer öfter muss ich auf stark befahrene Bundesstraßen ausweichen, ein Zeichen das ich mich Bangkok nähere. Ich überquere den Fluß Bang Pakong am gleichnamigen Ort. Dieser wird auf einer superengen Straße durchquert. Die Bewohner winken mir zu und tuscheln „Farang“… Von nun an, radele ich durch die Chachoengsao Provinz.

Seit der Überquerung des Bang Pakong ist das Land flach. die einzigsten spürbaren Erhebungen, sind die Holzbrücken um einen der unzähligen Khlongs (Kanal, Wasserstraße) zu passieren. Mal radele ich auf kleinen Landstraßen und Wirtschaftswegen, mal schickt mich Komoot in irgendwelche Feldwege, wo ich mich Frage, ob ich nicht gleich in einem Sumpf lande. Zwischen den Khlongs liegen unendlich weite Reisfelder und mein heutiges Ziel fühlt sich Lichtjahre entfernt an.

Hinter mir höre ich das Knattern eines Mopeds. Ich mache Platz um es vorbei zu lassen, da sehe ich, das es ein Verkaufswagen ist. Der alte Mann hat doch tatsächlich Eiscreme auf seinem Moped und ich rufe laut „Lung Lung“ (Onkel, Onkel) hinterher… er stoppt. für 20 Baht (0,55 €) erhalte ich 3 Kugeln Eis in einem Milchbrötchen und Erdnüssen drauf. Tut das gut. 

Weiter gehts, aber vorher wechsel ich auf lange Klamotten. Bei der heutigen Etappe hab ich mir einen leichten Sonnenbrand zugezogen, trotz eincremen. So gegen halb fünf erreiche ich mein Hotel in Lat Krabang, einem Bezirk Bangkoks, nahe des Suvarnabhumi Airports. Ein paar Straßen weiter ist ein „Night Market“ aufgebaut, wir würden es Kirmes nennen. Dort schlender ich zu Fuß hin und futtere mich durch die Thai Küche. knappe 80 km habe ich Heute in die Pedale getreten. Wer hätte das gedacht, mit einem „Klappfahrrad“.

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3. Tag - Lat Krabang nach Rangsit/Khu Khot

Auch diese Nacht habe ich gut geschlafen. Das Hotel war sehr angenehm aber noch vor 9 Uhr sitze ich wieder im Sattel in Richtung Frühstück. Als heutiges Tagesziel hoffe ich, den nördlichen Stadtrand von Bangkok zu erreichen. 

Diese Stadt ist einfach nur unendlich groß. Ich lasse den Flughafen hinter mir und visiere grob den zweiten Flughafen Bangkoks, Don Mueang, an. Dieses Kapitel könnte ich auch Tour de Khlong nennen, denn genau das ist es auch. Denn nach gut einer Stunde Fahrzeit schickt mich Komoot auf einen Plattenweg entlang eines Khlongs. Zunächst dachte ich es wäre nur eine Abkürzung, doch Pustekuchen. Die kommenden 40 km geht es fast ausschließlich auf diesen Stegartigen Plattenwegen ohne Geländer entlang. Das ich mich unsicher fühle brauch ich wohl nicht erzählen und dementsprechend komme ich nur langsam voran.

Khlong: wasserführender Kanal.

Khlong reiht sich an Khlong. Wo und wann wird das wohl enden? Diese Frage stell ich mir ununterbrochen. Erschwerend hinzu kommt, das auf diesen Plattenwegen hier und da mal ein Moped oder Radfahrer entgegen kommt. Für Fotos habe ich irgendwie keine Zeit, bzw. es finden sich einfach nur wenige Stellen, an denen es sich lohnt ein Foto zu machen. Auch was die Tagesdistanz angeht, ich komme nur auf rund 53 km. In Khu Kot bei Rangsit suche ich mir ein Hotel. Am Abend gehe ich noch ein paar Kilometer spazieren, denn die letzten drei Tage bin ich kaum gelaufen. Den Don Mueang Flughafen habe ich aber erreicht.

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4. Tag - Khu Khot nach Ayutthaya

Es beginnt der vierte Tag meiner kleinen Radreise nach Irgendwo. Gegen acht habe ich das Hotel verlassen und radele entlang des Khlong Song und Khlong Nung Richtung Norden. Bei Rangsit schickt mich mein Navi auf eine schnurgerade, aber wenig befahrenen Hauptstraße. 

Gefühlt fahre ich 20 km auf dieser Straße, die entlang eines kleinen Kanals führt. Auf der anderen Kanalseite sehe ich, das dort ein Feldweg ist und um etwas Abwechslung zu haben, wechsel ich die Seite. Bisher ist der heutige Weg eher langweilig und eintönig und ich vergesse, das ich Fotos für meinen Blog schießen sollte. Naja, so ist es halt. Nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich in Bang Pa-In an. Hier könnte man die königliche Sommerresidenz besichtigen, aber die lassen mich wegen meines sportlichen Outfits nicht rein. Dann eben nicht. Ich fahre ein Stück zurück, um mit einer Fähre den Chao Phraya Fluß zu überqueren.

Die ersten Ruinen tauchen am Wegesrand auf, Ayutthaya kann demnach nicht mehr weit sein. Ein weiteres mal nutze ich eine Fähre um den Chao Phraya Fluss zu überqueren. Ich suche noch schnell ein Hotel und hau mich erst mal aufs Ohr.

Nach einem kurzen Nickerchen und einer kalten Dusche mache ich mich zu Fuß auf, um etwas von der Stadt zu sehen. Auffällig ist, das trotz der historischen Bedeutung der Stadt, nur wenige Touristen unterwegs sind. Auf meinem Weg komme ich am Ayutthaya historical parc vorbei und besichtige Wat Maha That und Wat Ratchaburana, die Ruinen der ehemaligen Hauptstadt.

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5. Tag - Ich bleibe in Ayutthaya

Heute ist Ruhetag, die Stadt ist nach meinem Geschmack, da ich historische Orte und Gebäude mag. Ayutthaya wurde 1351 durch König U Thong gegründet und war bis 1767 die Hauptstadt Siams. 1767 wurde die Stadt im Krieg gegen Birma, dem heutigen Myanmar zerstört. 1782 zog die Hauptstadt nach Krung Thep Maha Nakhon, dem heutigen Bangkok. Erst 1939 wurde Siam zu Thailand. Ayutthaya gehört zum UNESCO-Welterbe. Die erhaltenen Ruinen der Königspaläste und Tempelanlagen bilden den heutigen Ayutthaya Historical Parc. Leider ist es mir unmöglich die schönsten Spots dieser Stadt zu besuchen, da ich mir nur 1,5 Tage Zeit genommen habe. Aber eines ist sicher, ich komme noch einmal hierher. Für mehr informationen über diese faszinierende Stadt, folge einem der folgenden Links.

6. Tag - Ayutthaya nach Lopburi

Noch vor acht Uhr verlasse ich mein Hotel um frühzeitig in Lopburi anzukommen. Wie immer, ist es um diese Uhrzeit auch schon über 28°C warm, aber an den Nachmittagen kann das Quecksilber gut und gerne 34°C anzeigen. Kaum bin ich aus der Stadt draußen, wird es sehr ruhig um mich. Wenig Verkehr, nur noch kleine Dörfer. Man merkt die zunehmende Entferung zu Bangkok. Wie zuvor, halte ich zum Frühstücken an einem Tempel an, denn dort finden sich oft saubere Toiletten und Waschmöglichkeiten.

Nach rund 35 km komme ich an einem mitten im Feld stehenden riesigen Buddha vorbei. Es sieht aus, wie ein aufgegebener oder verlassener Tempel. Ein Lost Place? Zumindest ist hier keine Menschenseele und alle Gebäude sind verschlossen, die Fenster verrammelt und die Anlage ist auch nicht sonderlich gepflegt. Weder auf Google Maps noch in Komoot ist dieser Platz eingetragen, dennoch ist der große Buddha beeindruckend und von weitem schon zu sehen.

Die Straßen wandeln sich zu Pisten. Ein verrostetes Häuschen einer Bushaltestelle an der Seite. Ob hier noch ein Bus fährt? Seit Stunden bin ich keiner Menschenseele begegnet, aber ich scheine mich Lopburi City zu nähern. Am Horizont erkennt man die Umrisse der Khao Chin Lae Berge.

Gegen 16 Uhr checke ich in meinem heutigen Hotel in Lopburi City ein. Die heutige Etappe war anstrengend, denn es war nicht immer einfach an Wasser zu kommen. Viele Lebensmittelhändler sind von außen nur schwer zu erkennen und die üblichen 7/11 Märkte haben seit Bangkok eher Seltenheitswert bekommen. Nachdem ich mich im Hotel frisch gemacht habe, besichtige ich die Stadt und seine alten Ruinen und bin gespannt ob ich auch die Affen, für die Lopburi bekannt ist, entdecke. Lopburi ähnelt Ayutthaya recht stark, die Architektur ist die gleiche.

Wie schon gesagt ähnelt Lopburi sehr Ayutthaya. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick klein, jedoch ist sie es nicht. Auch hier hier besichtige ich nur einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten, aber zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes war ich zu voll an Eindrücken und erst später bedaure ich, nicht mehr dieser phantastischen Städte Ayutthaya und Lopburi gesehen zu haben. Am nächsten Morgen nehme ich Zug zurück nach Bangkok, um von dort mit dem Bus nach Pattaya zu fahren.

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Zusammenfassung und Fazit der Radtour

Vom 30. Oktober bis 5. November 2022 bin ich mit einem Brompton Faltrad rund 330 km von Pattaya nach Lopburi geradelt. Dies war meine erste längere Tour mit einem Fahrrad dieser Art. Das Reisen mit dem Brompton geht ohne größere Probleme gut. Ein paar kleine Änderungen werde ich dennoch vornehmen. Mein Rad ist mit einem 540 mm schmalen Flatbar ausgestattet. Vor der Fahrt hatte ich die Gummigriffe gegen Schaumstoffgriffe gewechselt, aber es fehlen weitere Griffpositionen. Ein Satz Lenkerhörchnchen wären sicher eine gute Alternative. Es gibt aber auch einen Multipositionslenker von Litespeed. Der Gepäcktransport mit der riesigen Brompton Tasche ist super und man hat ausreichend Platz. Auch die 10 kg maximale Ladung sind mehr als ausreichend. Einen Gepäckträger am Hinterrad habe ich nie vermisst.

Die Erfahrung, eine längere Radtour durch Thailand zu unternehmen, ist sehr positiv und es wird weitere geben. Jedoch werde ich mir beim nächsten mal deutlich mehr Zeit nehmen, um interessante Orte besser kennen zu lernen. Mein Reisegepäck werde ich wohl überarbeiten. Zwei Powerbanks brauchte ich nicht. Das Notebook habe ich nur einmal benutzt und der Bluetooth Lautsprecher war ebenfalls überflüssig. Der Verzicht auf diese drei Gegenstände würde das Gewicht meiner Tasche um ca. 2 kg Reduzieren, sodass ich etwas weniger als 8 kg am Rad transportieren müsste.

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Wenn dir meine Geschichte gefällt, schreibe mir gerne einen Kommentar unten in die Box. Es würde mich freuen und motivieren weitere Stories über Unternehmungen und Mikroabenteuer zu schreiben. Also, bis demnächst zu einem neuen Abenteuer in diesem Blog…. tschüüüüs!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Geri

    Grüezi Torsten
    Ich bin ein mittlerweile 77 jähriger Schweizer Brompton Fahrer. Ich bin jedes Jahr für 3 Monate in Pattaya. Letztes Jahr November bis März. Ich bin täglich mit meinem Brommi unterwegs. Plus minus 50 km. Tages Touren / Rundtouren oder ich fahre mit einem Taxi an ein Endziel und von dort mit dem Velo wieder zurück. Ab und zu mache ich auch mehrtägige Touren. Letztes Jahr bin ich meistens mit Nat, meiner Thai Freundin unterwegs gewesen. Ich habe ihr ein Faltrad gemietet und wir haben tolle Reisen gemacht zusammen. Zum Beispiel mit dem Taxi nach Hua Hin und von dort 400 km nach Chumphon und mit der Eisenbahn wieder zurück nach Bangkok. Oder River Kwai…Bangkok. Chantaburi….Pattaya. u.s.w.
    Auch mit Komoot und Epic Ride Weather.
    Mein nächster Aufenthalt in Pattaya ist ab Mitte November geplant. Wieder 3 Monate. Ich werde wieder in Pattaya an der Soi 13 Beach Road wohnen. Vielleicht können wir uns ja einmal treffen und zusammen Touren. Ich habe unterdessen etwa 30’000 km Erfahrung mit Brompton und Thailand.
    https://www.komoot.de/user/299447712349?ref=amk
    Geri

    1. Thorsten

      Servus Geri
      Eine super Sache mit einem Faltrad durch Thailand zu reisen. Die Wahrscheinlichkeit das ich kommenden November wieder in Thailand bin, ist sehr hoch. Auch ich speichere meine Touren, egal ob zu Fuß oder per Rad in Komoot auf, hier der Link zu meinem Profil:https://www.komoot.de/user/169839521207

      Natürlich können wir gerne mal eine Tour zusammen fahren. Einer meiner Pläne ist es, zum Doi Inthanon in der Provinz Chiang Mai zu fahren, ggf. zu befahren.

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